Aktionstag „Boom & Bloom“ 2026: Ein Tag voller Entdeckungen in Eldena
Mitte September wurde die Blüh- und Forschungsfläche zwischen Klosterruine und Strandbad zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Aktionstages. Während eine riesige Biene über das Veranstaltungsgelände spazierte, rückten bei den Führungen ihre wesentlich kleineren Artgenossen in den Mittelpunkt. Und wer sich auf die Suche nach ihnen machte, entdeckte schnell, dass auf einem Blühacker weit mehr passiert, als man auf den ersten Blick vermutet.
Beim Aktionstag „Boom & Bloom“ am 19. September 2026 lud das Projekt BioDi-OH ( Biodiversität One Health) der One-Health-Region Vorpommern dazu ein, die Natur vor der eigenen Haustür aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
Kleine Tiere, große Entdeckungen
Eine Biene aus nächster Nähe betrachten? Für viele Besucherinnen und Besucher gehörte genau das zu den eindrücklichsten Momenten des Tages. Als bei einer Führung eine Biene eingefangen wurde, war das Staunen groß. Was sonst oft unbemerkt an uns vorbeisummt, ließ sich plötzlich genauer betrachten.
Die Bienenführungen stießen auf großes Interesse. Die Fachleute erklärten, welche Arten auf der Fläche vorkommen können, wie sie leben und welche Rolle sie für die biologische Vielfalt spielen. Dabei wurde auch deutlich, dass Biene nicht gleich Biene ist: Anders als die staatenbildende Honigbiene leben die meisten Wildbienenarten einzeln. Manche sind bei der Nahrungssuche sogar auf bestimmte Pflanzen angewiesen.
Auch an den übrigen Stationen gab es Gelegenheit, genauer hinzusehen. Unter dem Mikroskop wurden Details sichtbar, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Pflanzensteckbriefe lenkten den Blick auf einzelne Arten, während der Imkerwagen Einblicke in die Welt der Honigbienen bot. Fragen waren ausdrücklich erwünscht und entwickelten sich immer wieder zu Gesprächen zwischen Gästen und Fachleuten.
Dass Biodiversität nicht nur mit wilden Wiesen, sondern vor allem auch mit Landwirtschaft zu tun hat, zeigte ein ausgewachsener Ackerschlepper mit Drillmaschine sowie die Stände von Bauernverband und Greifswalder Agrarinitiative.
Für Kinder gab es zahlreiche Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. An der Buttonmaschine entstanden kleine Erinnerungsstücke mit Naturmotiven, während weitere Mitmachangebote zum Ausprobieren einluden. Zum heimlichen Star des Tages wurde allerdings die überlebensgroße Biene, die schon von Weitem auf die Veranstaltung aufmerksam machte und bei Kindern wie Erwachsenen als Fotomotiv gefragt war.
Gitarrenmusik, Kaffee und Kuchen sorgten dafür, dass zwischen den Führungen auch Zeit zum Verweilen blieb. Viele Familien nutzten das offene Programm ausgiebig. Statt einem festen Ablauf folgen zu müssen, konnten die Gäste selbst entscheiden, wo sie länger bleiben und welche Themen sie genauer erkunden wollten.
Was auf drei Hektar in Eldena erforscht wird
Hinter dem Aktionstag steht ein Forschungsprojekt, das einen ungewöhnlichen Blick auf die biologische Vielfalt eröffnet. Auf dem rund drei Hektar großen Blühacker wurden im Mai 2026 insgesamt 44 Pflanzenarten ausgesät. Die Fläche soll Lebensräume für unterschiedliche Organismen schaffen und zugleich zeigen, wie sich die biologische Vielfalt auf einer solchen Fläche entwickelt.
Dabei interessieren die Forschenden nicht in erster Linie die Pflanzen selbst. Sie untersuchen die Insektenwelt und beschäftigen sich z.B. in Kooperation mit AgriBiom auch mit der Gesundheit des Bodens. Welche Arten siedeln sich an? Wie verändern sich die Lebensgemeinschaften im Laufe der Zeit? Und welche Bedingungen begünstigen eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt?
Der Blühacker ist aber nicht nur für die Naturwissenschaften interessant. Ein weiterer Forschungsbereich beschäftigt sich damit, wie Menschen ihre natürliche Umgebung wahrnehmen und welche Bedeutung Naturerfahrungen für ihr Wohlbefinden haben können. Dafür werden auch sprachwissenschaftliche Methoden wie die Gesprächsanalyse eingesetzt.
Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Forschungsansätze macht BioDi-OH zu einem One-Health-Projekt. Die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen wird nicht isoliert betrachtet. Auf dem Blühacker lassen sich die Zusammenhänge an einem konkreten Ort untersuchen: von den Beziehungen zwischen Pflanzen und Insekten bis zur Frage, was eine naturnahe Umgebung für die Menschen bedeutet, die sie erleben.
Die Gäste von „Boom & Bloom“ konnten einen Teil dieser Forschung unmittelbar kennenlernen. Zugleich brachten sie eigene Beobachtungen, Fragen und Erfahrungen mit. Der Aktionstag bot damit Gelegenheit, wissenschaftliche Perspektiven mit dem Wissen aus der Region in Verbindung zu bringen.
Ein Blühacker verändert sich – und bleibt spannend
Die Mahd der Blühfläche war keineswegs unbeabsichtigt. Erst dadurch bekamen die mehrjährigen Pflanzen ausreichend Licht, um sich weiter zu entwickeln, während die einjährigen Pflanzen bereits verblüht waren und ihre Samen verteilt hatten.
Im nächsten Jahr wird sich zeigen, welche Pflanzenarten sich etablieren konnten und wie sich die Blütenvielfalt auf das Auftreten verschiedener Bienenarten auswirkt.
Damit der Blühacker dauerhaft als Forschungs- und Lernort bestehen kann, beschäftigt sich das Projektteam bereits mit seiner Zukunft über die zeitlich begrenzte Förderung hinaus. Denn sowohl die wissenschaftliche Begleitung als auch die Pflege der Fläche benötigen eine langfristige Perspektive.
„Boom & Bloom“ hat gezeigt, welches Potenzial in diesem Ort steckt. Eine Wiese, an der man sonst vielleicht vorbeigegangen wäre, wurde für einen Nachmittag zum Gegenstand genauer Beobachtungen und lebhafter Gespräche.
Der Aktionstag wurde durch das Engagement zahlreicher Forschender, regionaler Partner und ehrenamtlich Mitwirkender ermöglicht. Ihnen und allen Gästen gilt ein herzlicher Dank.
BioDi-OH ist ein Projekt der One-Health-Region Vorpommern im Rahmen der BMFTR-Förderinitiative T!Raum – TransferRäume für die Zukunft.












