Vom Pansen bis zum Stall der Zukunft: Reallab OH beim Tag der Wissenschaft in Greifswald
Wie funktioniert die Verdauung einer Kuh? Was braucht sie, um sich im Stall wohlzufühlen? Und wie könnte eine tiergerechte Milchviehhaltung in Zukunft aussehen? Beim Tag der Wissenschaft am 27. Juni 2026 in Greifswald lud das Projekt Reallab OH dazu ein, diesen Fragen selbst auf den Grund zu gehen. Mit anschaulichen Modellen und einem virtuellen Stall konnten Besucherinnen und Besucher die Welt der Nutztierhaltung aus einer neuen Perspektive kennenlernen.
Rund 1.000 Menschen besuchten den Tag der Wissenschaft, bei dem die Universität Greifswald und weitere Forschungseinrichtungen der Region ihre Arbeit vorstellten. Unter dem Schwerpunktthema „One Health“ ging es um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt.
Mit dabei war das vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf getragene T!Raum-Projekt Reallab OH – Nutztiere erlebbar machen. Am Mitmachstand des Projekts stand die Frage im Mittelpunkt, wie moderne Nutztierhaltung funktioniert und wie wissenschaftliche Erkenntnisse zu besseren Haltungsbedingungen beitragen können.
Eine Kuh melken und ihre Verdauung verstehen
Wie aufwendig war das Melken, bevor Maschinen diese Arbeit übernahmen? An einem Eutermodell konnten Interessierte selbst ausprobieren, wie Kühe früher von Hand gemolken wurden.
Auch die Verdauung der Wiederkäuer ließ sich aus nächster Nähe erkunden. Ein Pansenmodell veranschaulichte, wie das komplexe Verdauungssystem einer Kuh aufgebaut ist und weshalb Rinder Gras und andere für Menschen kaum verwertbare Pflanzenbestandteile als Nahrung nutzen können. Ergänzende Anschauungsmaterialien und Futterproben machten die Besonderheiten der Milchviehhaltung greifbar.
Besonders spannend wurde es beim Blick in die Zukunft: Ein virtueller Stall ermöglichte es, moderne Stallkonzepte digital zu erkunden. Dabei konnten die Besucherinnen und Besucher erfahren, welche Bedürfnisse Kühe haben und wie sich diese bei der Gestaltung tiergerechter Haltungssysteme berücksichtigen lassen.
Forschung zum Anfassen und zum Mitreden
Mit seinem Mitmachangebot zeigte Reallab OH, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse außerhalb von Forschungseinrichtungen vermitteln lassen. Statt nur über Tierhaltung zu sprechen, konnten die Gäste selbst ausprobieren, beobachten und Fragen stellen.
Genau hier setzt das Projekt an: Reallab OH möchte die Nutztierforschung für die Bevölkerung zugänglich machen und einen offenen Austausch über landwirtschaftliche Tierhaltung ermöglichen. Dabei geht es auch darum, unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen an eine zukunftsfähige Nutztierhaltung aufzugreifen.
Der Tag der Wissenschaft bot dafür eine passende Gelegenheit. Am Stand des Reallab OH wurde deutlich, wie anschauliche Modelle und digitale Anwendungen helfen können, komplexe Forschungsfragen verständlich zu machen und das Gespräch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft anzuregen.