Von der Bodenprobe bis zur Gemeindepolitik: Neue One-Health-Projekte stellen sich vor
Wie lassen sich Antibiotikaresistenzen im eigenen Umfeld erforschen? Was hat die Gesundheit des Bodens mit unserer Landwirtschaft zu tun? Und wie kann One Health in den Gemeinden Vorpommerns ankommen? Auf der Jahrestagung der One-Health-Region Vorpommern am 24. Juni 2026 im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald stellten sich neun Projekte vor, die genau solchen Fragen nachgehen.
Die Bandbreite der neuen und weiterführenden Vorhaben zeigt, wie vielfältig der One-Health-Ansatz inzwischen in der Region aufgegriffen wird. Dabei geht es längst nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnisse. Viele Projekte beziehen Menschen aus Vorpommern unmittelbar in die Forschung ein oder entwickeln gemeinsam mit ihnen neue Angebote.
Forschung beginnt vor der eigenen Haustür
Dass wissenschaftliche Forschung schon im Kinderzimmer oder Garten beginnen kann, zeigen gleich mehrere Projekte.
OH-KAMR möchte Kindern und Jugendlichen vermitteln, was antimikrobielle Resistenzen sind und warum sie uns alle betreffen. Geplant sind unter anderem Lernrouten mit interaktiven Stationen, Exkursionen und Workshops. Wissenschaftliche Zusammenhänge sollen so spielerisch erfahrbar werden.
Noch einen Schritt weiter geht CiSwab, ein Folgeprojekt von CiFly. Hier werden Schüler*innen selbst zu Forschenden. Sie untersuchen Umweltproben aus Haus und Garten auf Biodiversität und antibiotikaresistente Bakterien. Lehrkräfte werden dabei unterstützt, das Thema One Health langfristig im Unterricht zu verankern.
Auch RUMBA tohoop setzt auf die Beteiligung der Bevölkerung. Das Folgeprojekt von RumBA untersucht, wie Menschen im Alltag mit Antibiotika und Bioziden umgehen – etwa bei Haustieren oder im Garten. Die Erfahrungen der Bürger*innen sollen mit wissenschaftlichen Daten zusammengeführt werden, um Antibiotikaresistenzen in der Region besser beobachten und verstehen zu können.
Gesunde Lebensräume im Blick
Wie eng unsere Gesundheit mit der Umwelt verbunden ist, machen weitere Projekte deutlich.
BioDi-OH verwandelt eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche in Eldena in einen vielfältigen Lebensraum. Gemeinsam mit Menschen aus der Region wird dort nicht nur die Biodiversität gefördert. Forschende untersuchen auch, wie Artenvielfalt, die Gesundheit von Bestäubern und das menschliche Wohlbefinden zusammenhängen.
Unter der Oberfläche setzt MiKoLa an. Das Projekt beschäftigt sich mit dem Boden- und Wurzelmikrobiom und untersucht, welchen Einfluss landwirtschaftliche Maßnahmen wie die Beikrautregulierung oder Saatgutbehandlung darauf haben. Gemeinsam mit Landwirt*innen sollen daraus Empfehlungen für die Praxis entstehen.
Dass unsere Umgebung auch unmittelbar auf das Wohlbefinden wirkt, steht im Mittelpunkt von WALDIWIRKT. Aufbauend auf dem Projekt Wald/Gesund werden digitale Waldkurse und angeleitete Angebote entwickelt, die die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes zugänglich machen sollen. Besonders angesprochen werden ältere Menschen und Menschen mit depressiven Symptomen.
Mit BAU!SCHLAU rückt ein weiterer Lebensraum in den Fokus: die gebaute Umwelt. Schüler*innen, Eltern und Fachleute entwickeln gemeinsam eine nachhaltige Lernumgebung. Regionale Baustoffe und ressourcenschonendes Bauen sollen dabei nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erprobt werden.
Wie wird Vorpommern zur One-Health-Region?
Neben den konkreten Forschungs- und Beteiligungsprojekten geht es auch um die langfristige Entwicklung der Initiative.
KOOP möchte den One-Health-Ansatz stärker mit der kommunalen Praxis verbinden. Gemeinsam mit Gemeinden in Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen sollen regionale Bedarfe aufgegriffen und wissenschaftliche Erkenntnisse für kommunale Entscheidungen nutzbar gemacht werden.
RegioTransfer OH beschäftigt sich ebenfalls mit der Zukunft der One-Health-Region. Das Folgeprojekt von RegioTransformOH untersucht, welche Erwartungen die Bevölkerung und regionale Akteure an One Health haben und welche Voraussetzungen für eine dauerhafte Verankerung des Ansatzes geschaffen werden müssen.
Von der Idee zur Umsetzung
Die Jahrestagung bot Gelegenheit, die neuen Vorhaben kennenzulernen und Anknüpfungspunkte zwischen den Projekten zu entdecken. Einige bauen auf bereits gesammelten Erfahrungen auf, andere erschließen neue Themen und Zielgruppen.
Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, Forschung nicht losgelöst von der Region zu betreiben. Ob im Schulunterricht, auf landwirtschaftlichen Flächen oder in der kommunalen Verwaltung: Die Projekte setzen dort an, wo Menschen leben und arbeiten.
Die Jahrestagung hat damit vor allem eines gezeigt: Die One-Health-Region Vorpommern wächst nicht nur durch neue Forschungsfragen, sondern auch durch die Menschen, die sich an ihrer Beantwortung beteiligen.